auswandern: Arbeitslosengeld bei Rückkehr nach Deutschland?

Vor dem auswandern macht es Sinn sich eine Exit-Strategie zu überlegen. Was passiert wenn es im Auswanderungsland nicht klappt wie erwartet? "Erhalte ich Arbeitslosengeld wenn ich wieder nach Deutschland zurückkehre?", hat Kevin gefragt. Auswandern.de liefert die Antwort im Gespräch mit Ingo Ostermann, Berater für Auslandsbeschäftigung bei der Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesanstalt für Arbeit. ²

"Anspruch auf Arbeitslosengeld hat wer drei Voraussetzungen erfüllt", erklärt Ingo Ostermann: "Der Antragsteller muss den Antrag persönlich stellen; er muss die Anwartschaftszeit erfüllen und er muss in den letzten 24 Monaten mindestens zwölf Monate sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein".

Was bedeutet das für die Arbeitslosenansprüche von Auswanderern?


Auswanderer erhalten nur dann Arbeitslosengeld bei der Rückkehr nach Deutschland wenn sie als Deutsche Staatsbürger in einem Land der EU, der EWG oder der Schweiz gelebt haben. Jeder der in ein anderes Land ausgewandert ist, hat keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

"Das ist natürlich nicht die einzige Vorausetzung", so der ZAV-Berater. Ingo Ostermann geht in die Details: "Wie die Arbeitszeiten im Ausland anerkannt werden ist unter anderem in der EU Verordnung 1408 aus dem Jahre 1971 festgelegt. Der Nachweis der Arbeitszeiten erfolgt über das Formular E301" - im Grunde ist das ein umgeschriebener Arbeitsnachweis.

Deutsche die in der Schweiz gearbeitet haben, sind damit schon aus dem Schneider - sofern Sie auch sonst die gleichen Kriterien erfüllen wie Arbeitslose in Deutschland (siehe oben). Wer in ein anderes EU- oder EWG-Land ausgewandert ist, muss aber noch eine weitere Bedingung erfüllen: Der ehemalige Auswanderer muss vor seinem Arbeitslosengeld-Antrag eine Zeit lang eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Deutschland ausgeübt haben.

Wie lange? "Entsprechend dem üblichen Geschäftsgebahren"", lautet die offizielle Regelung sagt Rückkehrer-Berater Ostermann: "Wie lange das genau ist - das ist nicht festgelegt. Ein Tag ist jedenfalls nicht ausreichend."

Wer also...

- in einem Land der EU, EWG oder der Schweiz sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat (Nachweis Formular E301)
- in den letzten 24 Monaten insgesamt mindestens 12 Monate sozialversicherungspflichtig tätig war
- die Anwartschaftszeiten erfüllt
- und - im Fall eines EU oder EWG Landes - nach seiner Rückkehr und vor dem Arbeitlosenantrag "geschäftsüblich" sozialversicherungspflichtig
  in Deutschland gearbeitet hat

der hat auch als ehemaliger Auswanderer einen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Der Haken an der Sache? ZAV-Berater Ingo Ostermann holt Luft: "Der Anspruch auf Leistung ist damit begründet. Wie über die Höhe der Hilfe entschieden wird - das ist eine andere Frage".

² Interview mit Ingo Ostermann, Berater für Auslandsbeschäftigung bei der ZAV der Bundesanstalt für Arbeit vom 14. August 2009

jetzt Mitglied werden