Dein Weg
Im Ausland gründen
Selbstständig machen oder eine Firma aufbauen: was mit einer bestehenden GmbH beim Wegzug passiert, wo die Betriebsstätte entsteht und warum niedrige Steuern selten niedrige Abgaben bedeuten.
Der häufigste Denkfehler bei diesem Weg ist die Vorstellung, man nehme die deutsche Firma einfach mit. Das geht nicht. Wer mindestens ein Prozent an einer Kapitalgesellschaft hält, löst mit dem Wegzug die Wegzugsbesteuerung aus: Der Staat behandelt dich, als hättest du die Anteile am Tag der Abmeldung verkauft, und besteuert den Wertzuwachs – auf Geld, das du nicht bekommen hast. Innerhalb der EU lässt sich das unter Bedingungen strecken, außerhalb wird es sofort fällig. Dieser Punkt gehört vor die Entscheidung, nicht in die Umsetzung.
Wo die Betriebsstätte entsteht
Der zweite Punkt heißt Betriebsstätte. Steuerlich entsteht ein Anknüpfungspunkt dort, wo tatsächlich gearbeitet und entschieden wird – nicht dort, wo die Firma eingetragen ist. Eine Gesellschaft in einem steuergünstigen Land, die faktisch von deinem Schreibtisch in Lissabon geführt wird, ist in Lissabon steuerpflichtig. Und solange du noch in Deutschland verfügbaren Wohnraum hast, greift das deutsche Außensteuerrecht zusätzlich. Konstruktionen, die im Netz als „legaler Steuertrick" kursieren, scheitern fast immer genau hier.
Was neben der Steuer noch abgeht
Was viele beim Vergleich der Steuersätze übersehen, sind die Abgaben daneben. Als Selbstständiger zahlst du in vielen Ländern Sozialbeiträge auf den Gewinn, ohne Beitragsbemessungsgrenze – in Portugal und Spanien ist die Summe aus Einkommensteuer und Sozialbeitrag für Selbstständige oft höher, als der Blick auf den Steuersatz vermuten lässt. Rechne den Gesamtabzug, nicht die Überschrift.
Warum das erste halbe Jahr leer bleibt
Der praktische Teil ist unspektakulär und trotzdem der Grund, warum Gründungen scheitern: Du brauchst vor Ort eine Steuernummer, ein Geschäftskonto und meist einen lokalen Buchhalter, und alle drei setzen einen Aufenthaltstitel und eine Adresse voraus. Die Reihenfolge ist starr, jeder Schritt dauert Wochen, und ohne Landessprache dauert er länger. Plane das erste halbe Jahr ohne Umsatz ein – nicht weil es keine Kunden gäbe, sondern weil du noch keine Rechnung schreiben darfst.
Nur auf diesem Weg
Das kommt bei dir dazu
Rechtsform und Gründung
Rechtsformen und Gründungskosten im Zielland vergleichen – oft einfacher und günstiger als in Deutschland. Viele Länder haben eigene Gründervisa.
Steuern doppelt denken
Betriebsstätte, Umsatzsteuer, Doppelbesteuerung: Einen lokalen Steuerberater vor der Gründung einbinden, nicht danach.
Geschäftskonto
Ein Geschäftskonto im Zielland ist meist Voraussetzung für die Gründung. Multiwährungskonten helfen, solange Einnahmen aus Deutschland kommen.
Wohin
Diese Länder passen zu diesem Weg
Alle fünf: Steuerlich interessant. Gerechnet aus einer einzigen Angabe – deinem Weg. Wer Sprachen, Klima, Nähe und Kosten dazunimmt, bekommt eine andere Reihenfolge.
Unentschieden?
Zwischen diesen Wegen schwankt man
Woher die Angaben kommen
Geprüft: August 2026. Regeln ändern sich – verbindlich ist immer die Auskunft der zuständigen Stelle.