Jan hat sich mit 19 in Deutschland abgemeldet und lebt seitdem als digitaler Nomade

Jan · seit Juli, also wenige Wochen · ohne festen Wohnsitz, gerade Bukarest

Gespräch vom 9. August 2026

Jan ist 19 Jahre alt und in Herford in der Nähe von Bielefeld geboren, in Nordrhein-Westfalen. Mit 16 hat er sich selbstständig gemacht und sein Geschäft dreieinhalb Jahre lang von Deutschland aus geführt. Seit Ende Juli lebt er ohne festen Wohnsitz und arbeitet online von dort, wo er gerade ist – im Moment aus Bukarest, gemeinsam mit seiner Freundin, mit der er zusammen reist. Als Kind war er nie geflogen, Urlaub hieß mit dem Auto nach Österreich oder Bayern.

Jan, du bist 19 und arbeitest gerade aus Bukarest. Wie kam es dazu?

Ich bin eigentlich nicht nach Rumänien ausgewandert, ich bin digitaler Nomade. Ich habe mich mit 16 selbstständig gemacht und das Ganze dreieinhalb Jahre lang in Deutschland geführt, bis Ende 19. Und da kommst du an der Bürokratie nicht vorbei, das ist der ganze Struggle. Irgendwann habe ich den Schlussstrich gezogen. Anfang des Jahres habe ich mir gesagt: Komm, wir müssen mal was ändern. Im April habe ich mich dann entschieden, dieses digitale Nomaden-Ding wirklich zu machen. Am 21. Juli habe ich mich abgemeldet und bin geflogen. Also noch ziemlich frisch.

War der Gedanke, aus Deutschland rauszugehen, vorher schon da?

Mir war schon vor ein paar Jahren klar, dass ich wahrscheinlich nicht immer in Deutschland sein werde. Ich wollte diese geografische Freiheit haben, deswegen habe ich auch ein Online-Business gestartet. Damals hatte ich nur noch nicht das Wissen, dass es als digitaler Nomade überhaupt geht. Man überschätzt die Bürokratie dahinter komplett. Die Bürokratie in Deutschland ist verrückt, aber wenn du raus möchtest, ist das gar nicht so kompliziert. Man meldet sich ab, kümmert sich um die Sachen, macht es am besten mit einem Berater, und dann ist man relativ schnell durch.

Wie hast du den Prozess konkret angepackt?

Es gibt verschiedene Phasen. Die erste ist die, in der du dich einfach informierst – du suchst dir Quellen, denen du vertraust. Ich habe mich über alles informiert, ich war da richtig gründlich. Dann kommt die Entscheidung: Ich möchte weg, und ich weiß auch, in welche Richtung es geht. Wenn du alle Informationen hast, weißt du, dass du dich bei der Krankenkasse abmelden musst, dass du deinen Wohnsitz abmelden musst, welche Regelungen es gibt und welche Dinge dich theoretisch noch in Deutschland halten, zum Beispiel eine eigene Wohnung. Du weißt, wie lange du noch in Deutschland sein darfst und welche Regeln für dein neues Land gelten. Dann gehst du zu deiner Gemeinde und meldest dich ab, kümmerst dich um internationale Krankenversicherung, Haftpflicht. Das geht super easy und ist in den meisten Fällen günstiger als in Deutschland. Und dann buchst du den Flug und ab geht's. Mehr ist es eigentlich nicht. Ich bin kein Berater, das ist ganz grob zusammengefasst.

Du hast dir einen Berater dazugeholt. Was hat der für dich übernommen?

Gefunden habe ich den ganz klassisch über YouTube, ich habe viele Interviews gesehen. Die haben die Firmengründung gemacht und mir eine Checkliste an die Hand gegeben. Informiert hatte ich mich sowieso über alles, aber sie haben mir noch mal die Sicherheit gegeben und ein paar Fragen beantworten können. Für mich war das mit der Firmenstruktur einfach der smarteste Weg, weil ich reisen möchte und mich auf kein Land festlegen wollte.

Wie ist es dir seit der Abmeldung ergangen? Bereust du etwas?

Bis jetzt absolut nicht. Man hat die letzten bürokratischen Sachen in Deutschland geregelt, und seitdem ist Ruhe. Ich habe noch nichts von deutschen Behörden gehört. Um Steuern muss man sich dieses Jahr natürlich noch kümmern, aber ansonsten: Mir gefällt es hier. Ich bin gespannt, wo die Reise mich mit der Zeit hinführt. Einen groben Plan für dieses und nächstes Jahr habe ich. Es war einfacher als gedacht, ich würde es jederzeit wieder machen.

Bukarest ist für viele kein naheliegender Ort. Wie sicher fühlst du dich dort?

Ich war vorher noch nie in Bukarest. Man denkt bei Bukarest und Rumänien erst mal: hm. Aber nein, überhaupt nicht. Ich fühle mich hier super sicher, meine Freundin fühlt sich hier super sicher – teilweise sicherer als in Deutschland, obwohl wir dort in keiner Großstadt gewohnt haben. Mein jetziges Leben ist übrigens komplett konträr zu dem, was ich früher hatte. Ich bin mit meiner Familie mit dem Auto nach Österreich in den Urlaub gefahren oder nach Bayern, geflogen bin ich noch nie. Und jetzt lebe ich davon, dass ich ständig irgendwo hinfliege.

Und wie geht es für dich weiter?

Meine Freundin und ich reisen zusammen. Wir besuchen kurz für eine Woche die Familie, danach geht es wahrscheinlich noch mal hierher zurück, weil es für unsere Lebensphase gerade sehr gut passt: Wir haben eine Work-Season, und den Winter überbrücken wir dann wahrscheinlich in Spanien.

Viele denken über das Auswandern nach und trauen sich dann doch nicht. Was würdest du ihnen sagen?

Es kommt darauf an, in welchem Lebensabschnitt du bist. Man muss ja schauen, ob man überhaupt alles flexibel machen kann oder ob man vielleicht einen Job annimmt, der einen an einen Ort bindet. Aber wenn es für dich theoretisch möglich wäre und du schon lange darüber nachdenkst, dann mach es. Denn letztendlich kannst du dich jederzeit wieder in Deutschland anmelden. Das Risiko ist gar nicht so groß. Ich glaube, keiner möchte mit diesem "Was wäre wenn" leben. Das sind die schlimmsten Worte, die man sich später selbst sagen kann. Man sollte nur nicht einfach dem Trend folgen – jedes Jahr wollen mehr Leute raus und gehen auch mehr Leute raus. Man sollte schauen, ob es für einen selbst Sinn macht, sich richtig informieren und dann einfach machen.

Hast du einen praktischen Tipp, der dir selbst geholfen hat?

Die Checkliste ist super wichtig, damit man einen Überblick hat: Wo stehe ich, was brauche ich noch, was muss ich noch machen. Damit man einfach keine Kopfschmerzen hat. Und ich würde noch einen kleinen Tipp hinzufügen: Leg dir eine Online-Cloud an, wenn du auswanderst, und lade da alle wichtigen Papiere und Dokumente hoch. Auch für die Nächsten, die vielleicht noch in Deutschland sind. Zu Hause hat man diesen Ordner, in dem alles abgeheftet ist – mach dir eine Cloud, dann bist du safe, wenn noch Rückfragen kommen.

Was würdest du jemandem raten, der ein bestimmtes Land im Kopf hat?

Informiert euch über den Ort, an den ihr gehen wollt. Nicht nur ein schönes Airbnb aussuchen. Wer wirklich für lange Zeit in ein Land geht, sollte vorher hinfliegen. Diese Zeit und diese Investition lohnen sich zu hundert Prozent, weil du auf Probleme und Herausforderungen stößt, auf die du nicht kommst, wenn du nur hinter deinem Laptop sitzt und Airbnbs und Hotels anschaust.

Was möchtest du zum Schluss mitgeben?

Seid mutig, geht den Schritt an, speziell wenn ihr schon länger darüber nachdenkt. Und seid nicht faul im Ausland. Kümmert euch schnell um eure Routine, damit ihr nicht einfach so verweilt. Betrachtet es als euer neues Leben, denn es ist euer neues Leben – und nicht als Urlaub. Es ist kein Urlaub, auch wenn es vielleicht an einem Urlaubsort ist.