
Vor dem Umzug
Deutsche Handynummer behalten: warum sie wichtiger ist als der Tarif
Beim Auswandern kündigen viele als Erstes den Handyvertrag. Das spart ein paar Euro im Monat – und kann dich aus deinem eigenen Bankkonto aussperren. Denn deine Nummer ist längst mehr als eine Nummer: Sie ist der zweite Schlüssel zu fast allem, was du in Deutschland zurücklässt.
Der unterschätzte Teil
Deine Nummer ist ein Schlüssel
Bank, PayPal, E-Mail-Konto, Krankenkasse, Versicherungen, WhatsApp: Fast jeder Dienst, den du nach dem Umzug weiter nutzt, schickt dir bei der Anmeldung oder bei einer Überweisung einen Code aufs Handy. Fehlt die Nummer, fehlt der zweite Faktor – und du kommst nicht mehr hinein.
Das Tückische daran: Ersatzwege laufen oft per Brief. Neue Zugangsdaten, Aktivierungscodes für eine Banking-App, ein Freischaltbrief – all das geht an die Adresse, die bei dem Dienst hinterlegt ist. Wer schon im Ausland lebt, wartet dann Wochen auf Post, die vielleicht nie ankommt.
Der Handyvertrag ist der billigste Vertrag, den du hast. Und der teuerste, wenn er fehlt.
Gilt bis 2032 – mit einer Grenze
EU-Roaming: für Reisen gedacht, nicht fürs Auswandern
Innerhalb der EU telefonierst und surfst du mit deinem deutschen Vertrag zu Inlandspreisen. Die EU hat diese Regel bis 2032 verlängert. Sie ist aber fürs Reisen gemacht, nicht fürs dauerhafte Leben im Ausland – und dafür gibt es eine klare Grenze:
- Der Anbieter schaut auf einen Zeitraum von vier Monaten.
- Warst du in dieser Zeit mehr Tage im Ausland als in Deutschland und hast du dort mehr genutzt als zu Hause, darf er einen Aufschlag berechnen.
- Vorher muss er dich schriftlich warnen und dir 14 Tage Zeit geben, das zu ändern.
Für jemanden, der ausgewandert ist, heißt das: Der deutsche Vertrag taugt nicht als Hauptanschluss im neuen Land. Als Zweitnummer, über die kaum etwas läuft außer ein paar SMS, fällt er dagegen nicht ins Gewicht.
Die Schweiz – 2025 das häufigste Ziel deutscher Auswanderer – gehört nicht dazu, genauso wenig wie Großbritannien. Die EU-Regel gilt nur in der EU sowie in Norwegen, Island und Liechtenstein. Manche deutschen Tarife schließen die Schweiz freiwillig ein, andere berechnen jede Minute extra. Schau in deine Tarifbedingungen, bevor du umziehst.
Je nachdem, wie du lebst
Drei Wege, die Nummer zu behalten
1. Kleiner Tarif als Zweitnummer. Für die meisten der beste Weg: Die deutsche Nummer wandert in einen günstigen Prepaid- oder Laufzeittarif und steckt per Dual-SIM oder eSIM neben der Karte aus dem neuen Land im Handy. Sie empfängt Codes, sonst nichts. Achte bei Prepaid darauf, was der Anbieter verlangt, damit die Karte aktiv bleibt – manche sperren sie, wenn lange nicht aufgeladen wird.
2. Vertrag behalten, weil du oft zurückkommst. Das passt, wenn du nicht ganz weg bist: als Grenzgänger, als Überwinterer oder mit regelmäßigen Wochen in Deutschland. Dann greift die Vier-Monats-Grenze oft gar nicht.
3. Nummer zu einem Internet-Anbieter mitnehmen. Einige Anbieter übernehmen die Nummer und leiten Anrufe über eine App weiter. Klingt elegant, hat aber einen Haken: SMS-Codes von Banken kommen dort nicht zuverlässig an. Teste das, bevor du dich darauf verlässt.
Solange du noch in Deutschland gemeldet bist
Was du vor der Abmeldung erledigen solltest
- Banking auf App umstellen. Frag bei jeder Bank nach einem Verfahren ohne SMS. Die Aktivierung kommt oft per Brief – der muss noch an deine deutsche Adresse gehen können.
- Liste aller Dienste mit SMS-Code. PayPal, E-Mail, Krankenkasse, Versicherungen, soziale Netzwerke. Wo es geht, Ersatzcodes speichern oder eine Authenticator-App hinterlegen.
- Online-Ausweis testen. Der Personalausweis funktioniert mit der AusweisApp und einem Smartphone auch im Ausland – viele Behördenportale lassen sich damit statt mit Brief und SMS nutzen. Dafür brauchst du die sechsstellige PIN.
- WhatsApp und Co. umziehen, nicht aufgeben. Wer doch die Nummer wechselt, stellt Messenger über deren eigene Funktion zum Nummernwechsel um. Aufgegebene Nummern werden irgendwann neu vergeben – und dann landen Nachrichten an deine alte Nummer bei jemand anderem.
- Konten und Depot klären. Die Nummer nützt nichts, wenn die Bank das Konto wegen der ausländischen Adresse kündigt. Was mit Konten und Depot passiert
Was oft gesucht wird
Häufige Fragen
Kann ich meine deutsche Handynummer nach dem Auswandern behalten?
Ja. Am günstigsten ist meist ein kleiner Prepaid- oder Laufzeittarif, der nur noch als Zweitnummer im Handy steckt – per Dual-SIM oder eSIM neben der Karte aus dem neuen Land. So kommen SMS-Codes weiter an, telefoniert und gesurft wird über den lokalen Tarif.
Wie lange darf ich mit meinem deutschen Vertrag im EU-Ausland roamen?
Für Reisen unbegrenzt zu Inlandspreisen. Wer aber über vier Monate mehr Tage im Ausland verbringt und dort mehr telefoniert und surft als in Deutschland, dem darf der Anbieter einen Roaming-Aufschlag berechnen. Vorher muss er schriftlich warnen und 14 Tage Zeit geben, das Nutzungsverhalten zu ändern.
Gilt EU-Roaming in der Schweiz?
Nein. Die Roaming-Regeln der EU gelten in der EU und im EWR, also zusätzlich in Norwegen, Island und Liechtenstein – nicht in der Schweiz und nicht in Großbritannien. Manche deutschen Tarife schließen die Schweiz freiwillig ein, andere berechnen sie extra. Das steht in den Tarifbedingungen.
Funktioniert SMS-TAN im Ausland?
Solange die deutsche SIM-Karte im Handy steckt und sich in ein Netz einbuchen kann, kommen SMS auch im Ausland an – in vielen Tarifen sind eingehende SMS auch außerhalb der EU kostenlos. Robuster ist ein App-Verfahren der Bank, das ohne SMS auskommt. Die Umstellung darauf solltest du erledigen, solange du noch in Deutschland gemeldet bist.
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