Eddi, 22, lebt seit zweieinhalb Wochen in Brisbane, Australien

Eddi · seit zweieinhalb Wochen · Brisbane, Queensland, Australien

Eddi ist 22 Jahre alt und stammt aus der Umgebung von Freiburg in Baden-Württemberg. Vor seiner Reise war er nur in Europa unterwegs, meist mit Freunden oder von der Arbeit aus – Thailand war der erste andere Kontinent, den er gesehen hat, kurz bevor er nach Australien kam. Inzwischen lebt er in Brisbane, wo er sich nach der Ankunft alles selbst organisiert hat, und beschreibt sich als jemanden, der eigentlich ängstlich ist und sich das Reisen erst erkämpfen musste.

Warum ausgerechnet Australien?

In erster Linie wollte ich ganz weit weg von zu Hause. Und da kam mir Australien in den Kopf, weil Australien wirklich am Arsch der Welt ist, wenn ich das so sagen darf. Es ist eine Insel, eine sehr große Insel, und man hat dort einen komplett anderen Lebensstil – so habe ich das damals jedenfalls mitbekommen. Ich habe auf Instagram viele Deutsche gesehen, die hier Work and Travel machen. Normalerweise bin ich kein Mensch, der wie ein toter Fisch mit der Strömung mitfließt, ich bin eher born to stand out. Aber da dachte ich mir: hey, ich mach das jetzt einfach. Australien hört sich schon so geil an, also wieso nicht? Einfach ausprobieren.

Wie kam es zu der Entscheidung – was war der Auslöser?

Ich bin gelernter Mechatroniker im Maschinenbau und habe meine Ausbildung im Januar abgeschlossen. Die Idee mit Australien hat sich schon letztes Jahr entwickelt, durchgesetzt habe ich sie dann im Januar. Der größte Einfluss war mein bester Freund Nico. Der hat von Tag eins an gesagt: richtig geile Idee, mach das, das wird die beste Zeit in deinem Leben. Das war wie eine Kraft für mich. Er weiß auch ganz genau, dass er nicht nur ein kleiner Grund ist, sondern eigentlich der Hauptgrund, warum ich hier bin. Ohne ihn hätte ich das, glaube ich, nicht gemacht, weil ich tatsächlich eine sehr ängstliche Person bin. Ein weiterer Grund war die Situation in Deutschland, mit der ich nicht zufrieden bin. Da will ich gar nicht tief reingehen, das ist ein zwiegespaltenes Thema und einfach meine Meinung. In anderen Ländern sieht es vielleicht genauso aus oder noch schlechter. Aber ey, ich probier's einfach aus.

Wie viel hast du vorher geplant?

Ich bin wirklich ohne Plan hier reingestartet. Ich habe mir viele Videos angeschaut, wie andere das gemacht haben. Viele haben gesagt: ihr braucht keinen Plan, ihr braucht einfach eine gute Bewerbung und gibt sie dann vor Ort ab. Also habe ich mir gedacht, okay, ich mache alles vor Ort. Ich bin zum Amt gegangen, habe mich abgemeldet, mir ein One-Way-Ticket besorgt, meine vier Sachen gepackt – und das war's. Einfach weg.

Und wie hat das vor Ort funktioniert?

Es hat super geklappt. Ich habe mein Bankkonto eröffnet, meine Steuernummer bekommen, und meinen ersten Job hatte ich direkt nach der ersten Woche. Wenn man als offene Persönlichkeit in ein fremdes Land geht, und dann noch Australien, wo die Leute selbst sehr offen sind, dann findest du alles. Dir läuft alles vor die Füße. Aber nicht ohne Grund – man muss ja auch etwas dafür tun. Ich bin nicht einfach hingegangen und mir wurde etwas vor die Füße geworfen. Ich musste erst mal hinlaufen, und das war eine Hürde.

Gibt es etwas, das du vorher gern gewusst hättest?

Auf mein Work and Travel bezogen auf jeden Fall, dass man das Bankkonto schon vor der Reise abschließen kann. Und genauso, dass man die Steuernummer vorher beantragen kann, weil man darauf ein paar Wochen warten muss. Das sind eigentlich die einzigen Sachen, die ich wirklich gern vorher gewusst hätte. Ich habe mich darüber nicht informiert und es auch nirgendwo gelesen, dass man sich da besser vorbereiten kann.

Was hat dich beim Wetter überrascht?

Hier im Winter ist es kalt und nicht so warm, wie man sich das vorstellt – ich habe mir prompt eine schlechte Erkältung geholt. Es kommt darauf an, wo man ist: Nordaustralien hat subtropisches Wetter, das liegt ja auch nicht weit von Indonesien entfernt. Aber hier in Brisbane an der Ostküste ist es tatsächlich ziemlich kalt. Höchstens 20 Grad, und es geht weit runter auf acht, neun Grad, und dann ist es noch windig. Mein Tipp: packt keine warmen Sachen ein, keine dicken Pullover, kauft euch das lieber vor Ort. Ihr braucht das nur zwei Monate, danach liegen die Sachen sowieso nur rum.

Du warst gerade im Zoo – was war das für ein Moment?

Ich habe mein allererstes Mal ein Känguru gesehen, mit meinen eigenen Augen, und auch angefasst. Und einen Koala. Das war echt ein Erlebnis, wirklich sehr berührend.

Was würdest du jemandem sagen, der über diesen Schritt nachdenkt, aber nicht den Mut findet?

Ich stelle mir immer vor, wie ich irgendwann – hoffentlich erst ganz spät – im Sterbebett liege und über meine Zeit nachdenke. Dann möchte ich mich an die schönen Dinge erinnern und nicht etwas bereuen, das ich nicht gemacht habe. Wenn man sich das richtig in den Kopf setzt und sagt: ich will nichts bereuen, was ich nicht gemacht habe – dann macht das einfach. Wenn euch die Kraft oder der Arschtritt fehlt, denkt darüber tief nach. Und falls es bei mir im Laufe der Reise nicht klappt, gehe ich zurück nach Deutschland, hole mir wieder irgendeinen 9-to-5-Job, verdiene ein bisschen Geld – und dann bin ich wieder weg. Ich werde nicht aufhören. Wenn man einmal weg ist, ist das wie eine Droge. Das macht süchtig. Ich will auch gar nicht mehr zurück.

Hat die Reise dich verändert?

Ich fühle schon eine gewisse Veränderung in mir. Ich bin nicht mehr so ängstlich, ich gehe mehr auf Sachen ein, ich bekomme viel mehr im Leben mit und bin viel selbstständiger geworden. Ich bin nicht mehr die Person, die ich damals in Deutschland war – von meiner Art her. Ich würde es einfach gern nochmal wiederholen: einfach machen. Ich glaube, das fehlt den meisten Menschen, auch den meisten jungen Menschen. Nicht zu viel darüber nachdenken. Viele setzen sich immer in die falschen Gedanken rein, das kratzt sich im Kopf fest. Ich bin genauso ein Mensch. Aber: always overthink the positive.

Du denkst über Australien nach?

Foto: muffinn · CC BY 2.0