Melanie, 30, ist erst nach Malta und dann nach England ausgewandert

Melanie · seit 2 Monaten · England, Vereinigtes Königreich

Gespräch vom 12. August 2026

Melanie, genannt Mell, ist 30 und kommt aus dem Süden Deutschlands, dem schwäbischen Ländle. Im Oktober 2024 hat sie Deutschland verlassen und ist zunächst nach Malta gegangen, später auf die Nebeninsel Gozo. Seit März 2025 lebt sie mit ihrem Freund in England – zwei Auswanderungen in zwei Länder, die sie beide vorher nie gesehen hatte. Sie arbeitet selbstständig online und geht davon aus, dass sie in den nächsten Jahren wieder woanders leben wird.

Wie kam es dazu, dass du Deutschland verlassen hast?

Deutschland gab mir keine Zukunft mehr, auch keine Sicherheit. Deshalb bin ich 2024 da raus. Im Oktober bin ich ausgewandert, damals noch in einer Beziehung und mit meinem Hund. Wir sind nach Malta gegangen.

Wie bist du nach Malta gekommen?

Wir sind tatsächlich vier Tage lang mit Bus, Bahn und Fähre gefahren, weil ich mit einer französischen Bulldogge gereist bin.

Wie ging es weiter, nachdem sich deine Beziehung auf Malta getrennt hat?

Ich habe mich im Januar getrennt und dann war natürlich die Frage: Was mache ich jetzt? Ich bin von Malta auf die Nebeninsel Gozo gezogen und habe dort komplett alleine gelebt, mit meinem Hund. Mit ihr habe ich dort gelebt bis Oktober letzten Jahres.

Was war die schwerste Erfahrung in dieser Zeit?

Mein Hund war krank, und niemand konnte wirklich helfen. Ich musste sie einschläfern lassen. Da ist einiges zu regeln, und es ist echt anders als in Deutschland. Einen guten Tierarzt zu finden, war ohnehin schwierig. Wenn ich sage, dass ich etwas bereut habe, dann diesen Moment – dass es erst nach der Auswanderung so schlimm wurde.

Und wie kam dann der Wechsel nach England?

Nach dem Tod meines Hundes hat sich nichts mehr zu Hause angefühlt, für mich hat auf Malta vieles nicht mehr gepasst. Ich bin vorübergehend zu einer Freundin gezogen und habe in der Zeit meinen jetzigen Freund kennengelernt, er hat auf Malta Urlaub gemacht und kommt aus England. Als klar war, dass wir keine Fernbeziehung wollen, bin ich im März 2025 mit einem One-Way-Ticket zu ihm nach England geflogen. Ich habe alles auf Malta aufgegeben.

Wie hast du die beiden Auswanderungen geplant?

Überwiegend online durch eigene Recherche. Ich habe mir mit KI meinen eigenen Plan geschrieben. Damit konnte ich alles managen – es gab nichts, was mir dabei besonders schwergefallen ist.

Was hat dich positiv überrascht?

Ich dachte, es gibt viel zu viel Papierkram, aber das war gar nicht so. Ich war in beiden Ländern noch nie zuvor, und es hat sich trotzdem gut angefühlt.

Was war im Alltag schwierig?

Sowohl auf Malta als auch in England fährt man auf der anderen Straßenseite, das macht Autofahren schwieriger. Anfangs auch mein Englisch. Und man darf Auswandern nicht als Urlaub sehen: Ich habe ein Online-Business, das muss ja weiterlaufen. Mit unfreundlichen Menschen hatte ich auch meine Erfahrungen.

Was würdest du anderen mitgeben, die auswandern wollen?

Sich das Land vorher unbedingt einmal anzusehen. Ich war ja in beiden Ländern vorher nie da. Rückblickend hätte ich mich gerne vorher mehr informiert: wie die Menschen sind, wie die Kultur ist, das Essen. Ich glaube, das ist das Wichtigste – das Land vorher gesehen zu haben.