Foto: Chensiyuan · CC BY-SA 4.0

Realistischer Zeitplan

Kanada verlangt den längsten Vorlauf aller beliebten Ziele. Nicht weil die Behörden langsam wären, sondern weil die Schritte aufeinander aufbauen: ohne Sprachtest keine Punktzahl, ohne Zeugnisbewertung keine Punkte für dein Studium, ohne beides kein Profil. Wer im Januar anfängt, fliegt selten im selben Jahr.

Erst prüfen, ob der Weg überhaupt offensteht

Bevor du Geld für Tests ausgibst, klär die Grundfrage: Über welchen Weg willst du hinein? Für die meisten deutschen Fachkräfte ist es Express Entry – aber das ist kein Antrag, sondern ein Wettbewerb. Du legst ein Profil an, bekommst eine Punktzahl und wirst nur eingeladen, wenn du in einer Auswahlrunde über der Schwelle liegst.

  • Express Entry: für Fachkräfte mit Berufserfahrung, Sprachnachweis und anerkanntem Abschluss
  • Provinzprogramme (PNP): eine Provinz nominiert dich – das gibt im Punktesystem einen so großen Aufschlag, dass eine Einladung praktisch sicher wird
  • Arbeitgeber-Weg: eine kanadische Firma stellt dich ein und beantragt die Arbeitserlaubnis
  • International Experience Canada: bis 35 Jahre, bis zu zwölf Monate, zweimal im Leben – der einfachste Einstieg, aber kein Daueraufenthalt

Sprachtest und Zeugnisbewertung – parallel, nicht nacheinander

Beides dauert Wochen und beides brauchst du, bevor du ein Profil anlegen kannst. Sie hängen nicht voneinander ab, also starte sie am selben Tag. Wer sie nacheinander erledigt, verliert zwei Monate ohne Gegenwert.

  • Sprachtest: ein anerkannter Englisch- oder Französischtest, das Ergebnis wird in die kanadische Skala (CLB) umgerechnet
  • Zeugnisbewertung (ECA): ein deutscher Abschluss zählt erst, wenn eine der fünf zugelassenen Stellen ihn mit einem kanadischen vergleicht
  • Die Bewertung ist fünf Jahre gültig – sie zu früh zu machen ist kein Fehler
  • Französisch ist kein Beiwerk: Für Französischkenntnisse gibt es eine eigene Auswahlkategorie mit deutlich niedrigeren Schwellen

Profil anlegen und warten

Mit Sprachtest und Bewertung legst du das Profil an und stehst damit im Bewerberpool. Ab hier ist Warten der Normalzustand. Die Auswahlrunden finden regelmäßig statt, mal für alle, mal nur für bestimmte Berufsfelder oder für Französischsprachige.

Ein Profil im Pool ist keine Zusage und kein Aufenthaltsrecht. Kündige in dieser Phase nichts und verkaufe nichts. Erst die Einladung zur Antragstellung macht aus der Bewerbung einen Antrag – und erst der bewilligte Antrag macht aus dir einen Einwanderer.

Antrag, Unterlagen, Untersuchung

Nach einer Einladung hast du eine feste Frist, um den vollständigen Antrag einzureichen – mit Führungszeugnis, ärztlicher Untersuchung bei einer von Kanada benannten Praxis, Nachweis über Ersparnisse und den biometrischen Daten. Das ist der Abschnitt, in dem fehlende Papiere richtig weh tun, weil die Frist nicht verhandelbar ist.

  • Führungszeugnis für jedes Land, in dem du länger gelebt hast – die Beschaffung aus dem Ausland dauert am längsten
  • Ärztliche Untersuchung nur bei einer von Kanada zugelassenen Praxis, nicht beim Hausarzt
  • Biometrie (Fingerabdrücke und Foto) bei einer Sammelstelle

Was in Kanada zuerst drankommt

  • Sozialversicherungsnummer (SIN) beantragen – ohne sie kein Lohn
  • Krankenversicherung der Provinz beantragen, am ersten Tag und nicht später (in manchen Provinzen läuft eine Wartezeit)
  • Bankkonto eröffnen
  • Führerschein umschreiben – in Ontario gilt eine Frist von 60 Tagen

Wie es bei anderen lief

Für Kanada hat noch niemand einen Bericht geschrieben. Du wärst der Erste.

Die Angaben hier beziehen sich auf einen Wegzug aus Deutschland. Für Österreich und die Schweiz gelten bei Abmeldung, Krankenversicherung und Steuern teils andere Regeln.

Quelle und Prüfdatum stehen am Ende des Kapitels. Behördenwege, Fristen und Beträge ändern sich – verbindlich ist immer die Auskunft der zuständigen Stelle. Dieser Guide ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung.