Das erste Land wählen

Jetzt erst. Wer die vorigen Kapitel durch hat, weiß, wovon er lebt, wo er gemeldet ist, wie er versichert ist und wie ihn Post erreicht – und kann ein Land danach aussuchen, ob es zu diesen Antworten passt, statt danach, wie die Fotos aussehen. Die gute Nachricht: Inzwischen gibt es in über vierzig Ländern eigene Visa für ortsunabhängig Arbeitende. Sie kosten Papierkram und lösen genau das Problem, das ein Touristenvisum nicht löst.

Drei Arten, sich irgendwo aufzuhalten

WegWie langeWas daran hakt
Visumfrei oder Touristenvisummeist 30 bis 90 TageErlaubt Tourismus. Arbeiten ist nicht gedeckt – und spätestens bei Aufenthaltserlaubnis, Konto oder Mietvertrag wird es zum Problem.
Nomadenvisummeist ein Jahr, oft verlängerbarVerlangt Mindesteinkommen, Krankenversicherungsnachweis, Führungszeugnis und beglaubigte Unterlagen. Der saubere Weg, nicht der umständliche.
Reguläre Aufenthaltserlaubnisdauerhaft angelegtVoller Behördenweg mit Anmeldung, Steuernummer und Meldepflichten – dafür stehen die Länder-Guides bereit.

Wonach du wirklich auswählen solltest

Die Reihenfolge der Kriterien ist bei diesem Weg eine andere als beim klassischen Auswandern. Klima und Lebenshaltungskosten stehen in jedem Reiseführer; die vier Punkte, die über das erste Jahr entscheiden, stehen selten irgendwo.

  • Zeitzone: Wenn deine Kunden in Deutschland sitzen, sind mehr als sechs Stunden Unterschied auf Dauer zermürbend. Das ist das Kriterium, das am häufigsten unterschätzt und am schnellsten bereut wird.
  • Gibt es überhaupt ein Nomadenvisum – und liegt das geforderte Mindesteinkommen unter deinem?
  • Wie behandelt das Land dich steuerlich, wenn du die Ansässigkeitsschwelle überschreitest? Manche Nomadenvisa kommen mit einer Sonderregelung, andere gerade nicht.
  • Deckt deine Krankenversicherung das Land – und erlaubt sie einen Aufenthalt dieser Länge?

Und dann übernimmt der Länder-Guide

Ab dem Punkt, an dem das Land feststeht, ist dieser Guide zu Ende: Behördenwege, Fristen, Unterlagen und Kosten stehen dort, wo sie hingehören – im Guide des jeweiligen Landes, in dem sie auch gepflegt werden. Für einige Länder ist der Nomadenweg dort schon eigens ausgewiesen, zum Beispiel das DTV in Thailand.

Zu den Länder-Guides

Die Schritte

4 Schritte
Drei Länder in die engere Wahl nehmen und gegen die vier Kriterien oben prüfen

Drei, nicht eins: Beim Vergleich fällt auf, was bei einem einzelnen Land wie eine Selbstverständlichkeit aussieht.

Prüfen, ob es ein Visum für ortsunabhängige Arbeit gibt und welche Nachweise es verlangtAuslandsvertretung des Ziellands

Verlässlich ist nur die Auskunft der Vertretung selbst. Nomaden-Blogs sind schnell veraltet, und gerade diese Visa ändern sich häufig.

Unterlagen zusammenstellen, bevor der Antrag gestellt wird

Das ist dieselbe Mappe, die in Kapitel „Infrastruktur" vorbereitet wurde – hier zahlt sich aus, dass sie schon fertig ist.

Mitbringen
  • Einkommensnachweise der letzten Monate
  • Krankenversicherungsnachweis mit Geltungsbereich
  • Führungszeugnis, oft mit Apostille
  • Reisepass mit ausreichender Restgültigkeit
Den ersten Aufenthalt kürzer planen, als du denkst

Drei Monate statt zwölf. Ob ein Ort zum Arbeiten taugt, weiß man nach zwei Wochen – ob er zum Leben taugt, nach drei Monaten. Ein Jahresmietvertrag davor ist eine Wette.

Die Angaben hier beziehen sich auf einen Wegzug aus Deutschland. Für Österreich und die Schweiz gelten bei Abmeldung, Krankenversicherung und Steuern teils andere Regeln.

Quelle und Prüfdatum stehen am Ende des Kapitels. Gesetze, Fristen und Beträge ändern sich – verbindlich ist immer die Auskunft der zuständigen Stelle. Dieser Text ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung.