
Kleines Budget
Auswandern mit wenig Geld: Wohin es reicht und was du wirklich brauchst
Im Fernsehen kaufen Auswanderer Fincas mit Pool. Die meisten gehen mit deutlich weniger, und in vielen Ländern reicht das Geld weiter als in Deutschland. Entscheidend ist, wo du überhaupt bleiben darfst.
Wer mit kleinem Budget auswandern will, denkt zuerst an die Preise: Wo ist die Miete niedrig, wo kostet das Essen wenig? Das ist die richtige Frage, aber nicht die erste. Viele der günstigsten Länder der Welt lassen dich nur bleiben, wenn du ein Einkommen oder ein Guthaben nachweist, und genau das fehlt, wenn das Geld knapp ist.
Für Deutsche gibt es deshalb eine einfache Reihenfolge. Zuerst die EU, weil dort kein Visum und keine feste Einkommensgrenze gilt. Danach die Länder außerhalb, die noch günstiger sind, aber mehr Papiere wollen. Und vor allem anderen: genug Geld für die ersten Monate, denn da wird es teuer.
- Wo darfst du ohne Visum bleiben?In der EU zählt nicht das Einkommen, sondern ob es reicht.
- Wo wird es noch günstiger?Außerhalb der EU entscheidet die Einkommensgrenze.
- Reicht dein Geld für den Start?Teuer sind die ersten Monate, nicht das Leben danach.
Ohne Visum
Die günstigsten EU-Länder für Deutsche
In allen EU-Ländern darfst du als Deutscher ohne Visum leben und arbeiten. Die Zahl zeigt, wie viel günstiger das Leben nach unserem Kostenrechner ist als in Deutschland – Single-Haushalt, mittelgroße Stadt.
- Bulgarien-49 %
- Rumänien-45 %
- Polen-40 %
- Ungarn-35 %
- Griechenland-31 %
- Estland-31 %
- Tschechien-25 %
- Portugal-24 %
Redaktionelle Richtwerte, Stand 2026, keine amtliche Statistik.
3 Monate
darfst du in jedem EU-Land ohne Bedingungen bleiben. Wer danach weder arbeitet noch studiert, muss ausreichende Mittel und eine umfassende Krankenversicherung nachweisen.
Ihr Europa (EU-Kommission), Richtlinie 2004/38/EG
Einen festen Mindestbetrag schreibt das EU-Recht nicht vor, und das Geld darf auch von Dritten kommen, etwa von der Familie. Wer vor Ort arbeitet, braucht diesen Nachweis gar nicht. Für viele mit wenig Erspartem ist deshalb ein Job im Zielland der einfachste Weg, mehr dazu unter Auswandern ohne Job.
Noch günstiger, aber mit Hürden
Außerhalb der EU: Wo das Geld am weitesten reicht
Die Länder mit den niedrigsten Kosten im Kostenrechner liegen fast alle außerhalb Europas. Dort entscheidet nicht der Preis, sondern die Frage, unter welchen Bedingungen du bleiben darfst:
Paraguay · rund 51 % günstiger
Erste Stufe ohne Einkommensnachweis
Für die Residencia Temporal verlangt die Migrationsbehörde keinen Einkommens- oder Vermögensnachweis. Erst beim Wechsel in die dauerhafte Genehmigung, frühestens nach zwei Jahren, musst du belegen, wovon du lebst.
Türkei · rund 58 % günstiger
Ausreichende Mittel nachweisen
Einreise ohne Visum, ab dem 91. Tag eine Aufenthaltserlaubnis über e-ikamet – mit Mietvertrag, privater Krankenversicherung und Nachweis ausreichender Mittel. Die Lira verliert schnell an Wert: gut, wer in Euro verdient, schlecht, wer vor Ort Lira bekommt.
Thailand · rund 42 % günstiger
500.000 Baht Guthaben
Ohne Visum nur 30 Tage. Wer ortsunabhängig arbeitet, bekommt das DTV, fünf Jahre gültig, aber nur mit 500.000 Baht auf dem Konto. Der Ruhestandsweg ab 50 verlangt 800.000 Baht oder 65.000 Baht Einkommen im Monat.
Vietnam · rund 59 % günstiger
Nur mit Arbeitserlaubnis
Im Kostenrechner eines der günstigsten Länder, aber der übliche Weg zur Aufenthaltskarte führt über eine Arbeitserlaubnis. Und wer 183 Tage im Land ist, versteuert dort sein Welteinkommen, bis 35 Prozent.
Außerhalb der EU endet außerdem deine deutsche Krankenversicherung in aller Regel mit dem Wegzug. Eine private Police gehört in jede Rechnung, und sie wird mit dem Alter teurer.
Nicht das Leben dort, sondern der Umzug selbst
Die echte Hürde: die ersten Monate
Was die meisten unterschätzen, ist nicht das laufende Leben im Ausland, sondern die Übergangsphase: Flug, Umzug, eine Kaution im neuen Land, während die alte Wohnung noch läuft, und die Zeit, bis Konto, Aufenthaltstitel und das erste Einkommen zusammenpassen.
Umzug und Flug
Einmalig
Wer nur Koffer mitnimmt statt Möbel, spart oft mehr als die Möbel wert sind. Angebote im Umzugsvergleich.
Kaution und doppelte Miete
Einmalig
Die neue Wohnung will eine Kaution, die alte läuft bis zur Kündigungsfrist weiter.
Die Zeit bis zum ersten Einkommen
Größter Posten
Jeder Monat ohne Gehalt kostet das volle Leben vor Ort. Plane diese Lücke großzügig ein.
0 €
Bürgergeld bekommst du im Ausland. Anspruch hat nur, wer seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat. Ein Polster aus der Grundsicherung lässt sich also nicht mitnehmen.
§ 7 Abs. 1 SGB II
Arbeitslosengeld ist die Ausnahme: Wer Anspruch hat, kann es unter Bedingungen in ein anderes EU-Land mitnehmen und dort Arbeit suchen. Wie das geht, steht unter Auswandern während Arbeitslosigkeit.
Fast ohne Erspartes
Wege, die Unterkunft oder Einkommen mitbringen
Ganz ohne Geld ins Ausland zu ziehen und dann zu suchen, geht fast nie gut. Es gibt aber Wege, bei denen das Wohnen oder ein Einkommen von Anfang an dabei ist:
Gehalt ab dem ersten Monat
Mit Arbeitsvertrag bist du in der EU sofort aufenthaltsberechtigt, außerhalb oft die Voraussetzung fürs Visum.
Kost und Logis frei
Taschengeld statt Lohn, aber Wohnen und Essen sind gedeckt.
Arbeiten unterwegs
Jobs vor Ort finanzieren die Reise. Ein Startguthaben verlangen die Länder trotzdem, für Australien etwa rund 5.000 AUD.
Gefördert
Unterkunft, Verpflegung und Taschengeld übernimmt das Programm.
Vermögen braucht nur, wer sich einen Aufenthalt kauft: Investorenvisa verlangen sechsstellige Summen. Das ist der Weg aus dem Fernsehen, aber nicht der Normalfall.
Was oft gesucht wird
Häufige Fragen
Wohin auswandern mit wenig Geld?
Für Deutsche am einfachsten in die günstigen EU-Länder: Bulgarien, Rumänien, Polen und Ungarn liegen nach unserem Kostenrechner 35 bis 49 Prozent unter deutschen Lebenshaltungskosten, und du brauchst kein Visum. Außerhalb der EU sind Paraguay, die Türkei oder Vietnam noch günstiger – dort hängt der Aufenthalt aber an Einkommensnachweisen oder einer Arbeitserlaubnis.
Kann ich in der EU leben, ohne zu arbeiten?
Die ersten drei Monate ja, ohne Bedingungen. Wer länger bleibt und weder arbeitet noch studiert, muss ausreichende Mittel für sich und die Familie und eine umfassende Krankenversicherung nachweisen. Einen festen Mindestbetrag schreibt das EU-Recht nicht vor, und das Geld darf auch von Dritten kommen.
Kann man ohne Geld auswandern?
Nicht mit Bürgergeld: Das bekommt nur, wer seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat (§ 7 SGB II). Ohne Erspartes geht es realistisch nur über einen Weg, der Unterkunft oder Einkommen gleich mitbringt – einen Job im Zielland, Au-pair, Work and Travel oder einen Freiwilligendienst.
Wie viel Geld braucht man zum Auswandern?
Für das Leben vor Ort hängt es fast nur vom Land ab: Nach unserem Kostenrechner kostet ein Single-Haushalt in Deutschland rund 1980 € im Monat, in den günstigsten Ländern etwa die Hälfte. Dazu kommt das Startgeld für Umzug, Kaution und die Monate bis zum ersten Einkommen – das ist der Teil, an dem die meisten Pläne scheitern.
Ist Auswandern nur was für Reiche?
Nein. Vermögen braucht nur, wer über ein Investorenvisum einwandert – das verlangt sechsstellige Summen. Die meisten Auswanderer gehen mit einem Job, einer Rente oder einer Arbeit, die sie mitnehmen, und viele Zielländer sind günstiger als Deutschland.
Dein Budget, dein Land
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