Die großen Dinge sind nach ein paar Monaten erledigt. Was danach bleibt, sind die kleinen Unterschiede, über die man in der ersten Zeit ständig stolpert – und zwei Fristen, die kaum jemand auf dem Zettel hat.
Dein Führerschein: die 60-Tage-Frist
Dein deutscher EU-Führerschein bleibt gültig, du darfst damit fahren. Trotzdem verlangt Portugal von allen, die hier ihren Wohnsitz nehmen, eine Registrierung beim IMT innerhalb von 60 Tagen. Das ist keine Prüfung und kein Umtausch, sondern eine Meldung – aber sie wird gerne übersehen.
Unbefristeter deutscher Führerschein und Aufenthalt ab zwei Jahren: Dann kommt zusätzlich die Pflicht zum Umtausch in einen portugiesischen
Befristeter Führerschein: Es gilt das aufgedruckte Ablaufdatum, den Umtausch beantragst du sechs Monate vorher
Strom: Der Markt ist frei, große Anbieter sind EDP, Galp, Iberdrola und Endesa. Für die Anmeldung brauchst du NIF, Ausweis, Mietvertrag und die Zählernummer (CPE)
Wasser läuft meist über die Gemeinde oder einen kommunalen Betrieb – die Anmeldung geht dort, nicht bei einem freien Anbieter
Internet und Handy kommen fast immer als Paket (pacote) von MEO, NOS oder Vodafone, oft mit 24 Monaten Bindung. Ohne Bindung ist es deutlich teurer
Für die ersten Wochen ohne Festanschluss ist eine eSIM die einfachste Lösung – so hast du sofort eine Nummer für Freischaltcodes
Bezahlen im Alltag
Multibanco ist das nationale Karten- und Automatennetz – und deutlich mehr als ein Geldautomat: Rechnungen, Steuern, Tickets und Handyaufladungen laufen darüber
MB WAY ist die Bezahl-App fürs Handy, mit der man auch privat Geld schickt. Sie setzt eine portugiesische Karte und Handynummer voraus
Viele Rechnungen bekommst du als „referência“: drei Zahlen (Entidade, Referência, Betrag), die du im Onlinebanking oder am Automaten eingibst
Bargeld ist seltener als in Deutschland – Karte geht fast überall, auch für Kleinbeträge
Behörden, Termine, Rhythmus
Fast alles läuft über Termine (marcação), die du online oder telefonisch machst – spontan am Schalter zu stehen führt selten zum Ziel
Die Loja de Cidadão bündelt viele Behörden unter einem Dach, das spart Wege
Die Mittagspause ist real: Zwischen etwa 12:30 und 14 Uhr steht vieles still, kleine Läden schließen ganz
Feiertage sind teils regional – jede Stadt hat ihren eigenen Stadtfeiertag, an dem dort nichts geht
Behördendeutsch gibt es nicht, Behördenportugiesisch schon. Für Formulare lohnt es sich, jemanden mitzunehmen, bis die Sprache sitzt
Wohnen im Alltag
Heizung ist in vielen Wohnungen nicht eingebaut. Die Winter sind mild, aber feucht – Feuchtigkeit und Schimmel sind das häufigste Wohnproblem, nicht Kälte
Ein Luftentfeuchter gehört in vielen Haushalten zur Grundausstattung
Müll wird an Sammelcontainern getrennt (Papier, Glas, Verpackung), es gibt keine Tonne pro Haushalt und keinen Gelben Sack
Post kommt von den CTT; Pakete gehen oft an Abholstationen statt an die Tür
In deinem Plan
Führerschein & Auto klären
Dieser Schritt steht in deinem persönlichen Plan – dort hakst du ihn ab, mit Frist, die sich nach deinem Umzugsdatum richtet.
Für Portugal hat noch niemand einen Bericht geschrieben. Du wärst der Erste.
Die Angaben hier beziehen sich auf einen Wegzug aus Deutschland. Für Österreich und die Schweiz gelten bei Abmeldung, Krankenversicherung und Steuern teils andere Regeln.
Quelle und Prüfdatum stehen am Ende des Kapitels. Behördenwege, Fristen und Beträge ändern sich – verbindlich ist immer die Auskunft der zuständigen Stelle. Dieser Guide ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung.