Kindergeld, Wahlrecht, Ausweis

Drei Dinge, die man für selbstverständlich hält, bis sie es nicht mehr sind. Kindergeld endet für die meisten mit dem Wegzug. Das Wahlrecht bleibt – aber nur, wenn du dich darum kümmerst. Und der Reisepass wird plötzlich zum wichtigsten Dokument, das du besitzt.

Kurz beantwortet

Kindergeld – derzeit 259 Euro pro Kind im Monat – bekommt nur, wer in Deutschland wohnt oder trotzdem unbeschränkt steuerpflichtig ist. Wer mit der Familie wegzieht, verliert es deshalb in der Regel und muss das der Familienkasse sofort melden. Geht nur das Kind für höchstens ein Jahr zur Schule oder zum Studium ins Ausland, behält es seinen Wohnsitz bei den Eltern, und das Kindergeld läuft weiter.

Familie zieht ganz ins Ausland
endet in der Regel
Wohnsitz weg, aber fast alle Einkünfte aus Deutschland
auf Antrag möglich (§ 1 Abs. 3 EStG)
Kind bis zu einem Jahr zur Schule oder zum Studium im Ausland
läuft weiter
Umzug innerhalb der EU
das neue Land zahlt eigene Familienleistungen, die Länder stimmen sich ab

Kindergeld

Deutsches Kindergeld hängt an der deutschen Steuerpflicht, nicht an der Staatsangehörigkeit. Wer seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, verliert den Anspruch in der Regel – es sei denn, einer von zwei Fällen trifft zu.

  • Du bleibst in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig oder wirst so behandelt
  • Oder du bist beschränkt steuerpflichtig, aber in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt
  • Im Zielland gibt es meist eigene Familienleistungen – innerhalb der EU wird koordiniert, wer zahlt

Kindergeld im Ausland: alle Fälle und wer zuerst zahlt

Den Wegzug musst du der Familienkasse unverzüglich melden (§ 68 EStG). Wer weiter Kindergeld bezieht, obwohl der Anspruch entfallen ist, muss es zurückzahlen.

Wahlrecht

Deutsche im Ausland dürfen an Bundestagswahlen teilnehmen, wenn sie nach ihrem 14. Geburtstag mindestens drei Monate am Stück in Deutschland gelebt haben und das höchstens 25 Jahre her ist – danach nur noch mit nachweisbarer persönlicher Vertrautheit mit der deutschen Politik (§ 12 BWahlG). Sie werden aber nicht automatisch eingetragen: Vor JEDER Wahl ist ein schriftlicher Antrag auf Eintragung ins Wählerverzeichnis der letzten Heimatgemeinde nötig.

  • Der Antrag muss handschriftlich unterschrieben sein; im Regelfall darf er per Post, Fax oder E-Mail kommen – wer sich auf persönliche Vertrautheit mit der deutschen Politik beruft, schickt ihn im Original
  • Es gibt zwei Formulare: eines für alle, deren Aufenthalt in Deutschland höchstens 25 Jahre zurückliegt, eines für alle anderen
  • Der Antrag muss spätestens am 21. Tag vor der Wahl bei der Gemeinde eingehen – wer das verpasst, wählt nicht

Ausweis und Pass

  • Reisepass und Personalausweis beantragst du im Ausland bei der deutschen Auslandsvertretung – meist mit Termin, also mit Vorlauf
  • Der Pass ist im Ausland dein wichtigstes Dokument: Aufenthaltstitel, Bankkonto und Behördengänge hängen daran
  • Ein abgelaufener Pass fällt oft erst auf, wenn man ihn braucht – Verlängerung rechtzeitig einplanen
  • Wenn du später eine andere Staatsangehörigkeit annimmst, prüf vorher, was das für die deutsche bedeutet

Die Schritte

3 Schritte
Familienkasse über den Wegzug informierenFamilienkasse der Bundesagentur für Arbeit ↗unverzüglich zum Umzug
Vor jeder Bundestagswahl die Eintragung ins Wählerverzeichnis beantragenLetzte Heimatgemeinde in Deutschland ↗
Bei der deutschen Auslandsvertretung registrieren

Freiwillig, aber sinnvoll: Im Krisenfall weiß die Botschaft dann, dass du da bist.

Häufige Fragen

Bekomme ich Kindergeld ohne Wohnsitz in Deutschland?

In der Regel nicht. Anspruch hat, wer in Deutschland wohnt oder sich gewöhnlich hier aufhält. Ohne Wohnsitz gibt es Kindergeld nur, wenn du in Deutschland trotzdem unbeschränkt steuerpflichtig bist oder auf Antrag so behandelt wirst – etwa weil fast dein ganzes Einkommen aus Deutschland kommt. Den Wegzug musst du der Familienkasse sofort melden.

Die Angaben hier beziehen sich auf einen Wegzug aus Deutschland. Für Österreich und die Schweiz gelten bei Abmeldung, Krankenversicherung und Steuern teils andere Regeln.

Quelle und Prüfdatum stehen am Ende des Kapitels. Gesetze, Fristen und Beträge ändern sich – verbindlich ist immer die Auskunft der zuständigen Stelle. Dieser Text ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung.