Wegzugsbesteuerung: wenn dir Firmenanteile oder große Fondsbestände gehören

Dieses Kapitel betrifft die wenigsten – und die, die es betrifft, oft mit sechsstelligen Beträgen. Wer Anteile an einer Kapitalgesellschaft oder einen sehr großen Bestand an einem Investmentfonds hält und Deutschland verlässt, wird so behandelt, als hätte er sie am Tag des Wegzugs verkauft. Es fließt kein Geld, die Steuer fällt trotzdem an.

Wen es trifft

Grundlage ist § 6 des Außensteuergesetzes. Er greift bei Anteilen im Sinne des § 17 Absatz 1 Satz 1 Einkommensteuergesetz – also bei einer Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft, etwa deiner eigenen GmbH.

  • Persönliche Voraussetzung: insgesamt mindestens sieben Jahre unbeschränkt steuerpflichtig innerhalb der letzten zwölf Jahre vor dem Wegzug
  • Bei unentgeltlichem Erwerb zählen auch die Zeiten des Vorgängers mit – geerbte Anteile schützen also nicht
  • Besteuert wird der Wertzuwachs, obwohl nichts verkauft wurde und kein Geld geflossen ist
  • Auch Privatleute ohne eigene Firma: Für Investmentfonds und ETFs im Privatvermögen gilt nach dem Investmentsteuergesetz dieselbe Regel – aber nur bei einer großen Beteiligung an einem einzelnen Fonds oder sehr hohen Anschaffungskosten (§ 19 Abs. 3 InvStG, Schwellen in den Fragen unten)

Das ist die teuerste Einzelvorschrift beim Auswandern. Wer eine GmbH hat, deren Wert seit der Gründung gestiegen ist, muss diesen Wertzuwachs versteuern, ohne dass ein Käufer bezahlt hat. Das Geld muss aus dem Privatvermögen kommen.

Was das Gesetz dagegen vorsieht

  • Auf Antrag kann die Steuer in sieben gleichen Jahresraten gezahlt werden – zinsfrei, in der Regel aber nur gegen Sicherheitsleistung; die erste Rate einen Monat nach dem Bescheid, die weiteren jeweils zum 31. Juli
  • Das gilt für jedes Zielland gleich – eine besondere zinslose Stundung bei einem Umzug in die EU oder den EWR sieht das Gesetz nicht mehr vor
  • Rückkehrregelung: Wer nur vorübergehend weg war und innerhalb von sieben Jahren wieder unbeschränkt steuerpflichtig wird, bei dem entfällt der Steueranspruch – wenn die Anteile in der Zwischenzeit weder verkauft noch übertragen wurden und keine Ausschüttungen über ein Viertel ihres Werts flossen
  • Das Finanzamt kann diese Frist auf Antrag um insgesamt höchstens fünf Jahre verlängern

Die Schritte

2 Schritte
Prüfen, ob du überhaupt betroffen bist

Betroffen sind Anteile an Kapitalgesellschaften ab der Schwelle des § 17 EStG und sehr große Bestände an einzelnen Investmentfonds. Wer angestellt ist, ein Einzelunternehmen führt oder ein übliches Depot mit Aktien und ETFs hat, ist es in der Regel nicht.

Bei Betroffenheit: Steuerberatung mit Auslandsbezug, deutlich vor dem Wegzugsechs bis zwölf Monate vorher

Hier geht es um Gestaltung, und Gestaltung braucht Zeit. Nach dem Wegzug ist der Zeitpunkt vorbei.

Häufige Fragen

Gilt die Wegzugsbesteuerung auch für Privatpersonen?

Ja – sie trifft ausschließlich natürliche Personen, also auch Privatleute ohne eigenes Unternehmen. Entscheidend ist nicht, ob du eine Firma führst, sondern was du besitzt: Anteile an einer Kapitalgesellschaft, an der du in den letzten fünf Jahren mit mindestens 1 Prozent beteiligt warst, oder Anteile an einem Investmentfonds ab einer hohen Schwelle. Außerdem musst du in den zwölf Jahren vor dem Wegzug mindestens sieben Jahre in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig gewesen sein.

Fallen ETFs und Fonds unter die Wegzugsbesteuerung?

Nur bei großen Beständen. Nach § 19 Absatz 3 Investmentsteuergesetz gilt der Wegzug bei Fondsanteilen im Privatvermögen als Verkauf, wenn du in den letzten fünf Jahren mindestens 1 Prozent eines Fonds gehalten hast oder Anteile an einem Fonds besitzt, deren Anschaffungskosten mindestens 500.000 Euro betragen. Die Schwelle gilt je Fonds. Ein übliches ETF-Depot liegt darunter.

Betrifft mich die Wegzugsteuer, wenn ich nur einzelne Aktien besitze?

In der Regel nicht. Aktien sind Anteile an einer Kapitalgesellschaft, die Wegzugsbesteuerung greift aber erst, wenn du an der Gesellschaft mit mindestens 1 Prozent beteiligt warst. Bei börsennotierten Unternehmen erreicht das ein Privatanleger kaum.

Kann ich die Wegzugsteuer in Raten zahlen?

Ja, auf Antrag in sieben gleichen Jahresraten, zinsfrei, in der Regel gegen Sicherheit. Das gilt für jedes Zielland, auch innerhalb der EU. Warst du nur vorübergehend weg, kehrst innerhalb von sieben Jahren zurück und hast die Anteile weder verkauft noch übertragen, entfällt die Steuer; die Frist lässt sich auf Antrag um höchstens fünf Jahre verlängern.

Die Angaben hier beziehen sich auf einen Wegzug aus Deutschland. Für Österreich und die Schweiz gelten bei Abmeldung, Krankenversicherung und Steuern teils andere Regeln.

Quelle und Prüfdatum stehen am Ende des Kapitels. Gesetze, Fristen und Beträge ändern sich – verbindlich ist immer die Auskunft der zuständigen Stelle. Dieser Text ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung.